Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems e.V.

Verein für Natur- und Artenschutz in Niedersachsen

anerkannt gem. § 63 Bundesnaturschutzgesetz und § 3 Umweltrechtsbehelfsgesetz

Dümmer: BSH begrüßt die Einrichtung des Schilfpolders

200 Hektar Wiesen werden im Südwesten an der Hunte umgestaltet

Lemförde-Hunteburg-Damme. „Endlich kann der Bau eines großen Schilfpolders am Südwestufer des Dümmers Realität werden. Dafür hat die Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser-Ems seit über 40 Jahren gemeinsam mit anderen Akteuren gekämpft“, so die Vorsitzende der BSH, Christiane Lehmkuhl. Konzepte zur Sanierung des zweitgrößten Binnensees Niedersachsens gab es immer wieder, doch mal fehlten die Flächen im nordöstlichsten an den See grenzenden Zipfel des Landkreises Osnabrück, dann das Geld zur Verwirklichung und schließlich auch der politische Wille.

Dabei leidet der Dümmer seit Jahrzehnten unter den hohen Nährstoffeinträgen aus dem auf über 200 km² intensiv landwirtschaftlich genutzten Einzugsgebiet der Oberen Hunte. Besonders die hohen Phosphoreinträge führen dazu, dass der See sich seit langem in einem schlechten ökologischen Zustand befindet.

Um die ökologische Situation des Dümmers und seines Einzugsgebietes zu verbessern, wurden in den letzten Jahrzehnten zunächst mit flächenaktiver Unterstützung der BSH gemeinsam mit dem damaligen Leiter des Amtes für Agrarstruktur (AfA) Klaus Rinne und einer Gruppe williger Anlieger große Flächen rund um den Dümmer gekauft und unter Schutz gestellt. Mit Finanzmitteln aus EU-, Bundes- und Landesprogrammen konnten bis heute ca. 2.500 ha für den Naturschutz erworben werden. Davon profitierten neben der Ökologie auch zahlreiche Landwirte, der Tourismus sowie die übrigen Einwohner in den Kommunen und im Naturpark Dümmer.

„Das war schon eine jahrelange, schweißtreibende Arbeit, die viel Verhandlungsgeschick bei allen Beteiligten erforderte“, so Lehmkuhl, „denn gerade in den Anfangsjahren gab es, wie unser Ehrenvorsitzender Dr. Akkermann oft berichtet, zum Teil heftige Auseinandersetzungen, manchmal auch im Beisein des damaligen Landwirtschafts- und Umweltminister Burghard Ritz.“ Aber schließlich zogen die meisten Betroffenen an einem Strang. Der Naturschutzring Dümmer, eine Arbeitsgemeinschaft von BSH, Mellumrat und Nabu, mittlerweile Ökologische Station, engagiert sich seit über dreißig Jahren als Kooperationspartner des Landes in der Flächenbetreuung rund um den Dümmer und ermöglicht Besucherinnen und Besuchern zahlreiche Naturerlebnisse.

Mit der nun anstehenden Realisierung des Großschilfpolders kann endlich, Jahrzehnte nach dem Bau des ersten Versuchsschilfpolders, das Problem der nach wie vor hohen Nährstoffeinträge über die Hunte angegangen werden. Die Kohärenzflächen für die vom geplanten Polder betroffenen Natura 2000-Flächen konnten bereitgestellt werden und die Landesregierung gab die entsprechenden Mittel frei. Das Planfeststellungsverfahren startet demnächst.

Die BSH dankt dafür dem zuständigen Umweltministerium und den beteiligten Landkreisen und hofft auf baldige Umsetzung. Denn der Schilfpolder wird in Zukunft nicht nur einen guten ökologischen Zustand des Sees ermöglichen und die Region als international bedeutsames Rast- und Überwinterungsgebiet sowie Nahrungs- und Brutgebiet erhalten, er wird auch einen wichtigen Beitrag zur Klimafolgenanpassung leisten. In Niedrigwasserphasen wird er zum Wasserrückhalt beitragen können. Bei Starkregen- und Hochwasserereignissen wird er einen besseren Hochwasserschutz in der Dümmerregion und unterhalb des Dümmers über die Hunte bis nach Oldenburg bewirken.

Blick nach Westen in die Südwestbucht des Dümmers mit Mündung der Hunte in den See. Links im Bild der Süddeich. Foto: F. Apffelstedt, Naturschutzring Dümmer Ökologische Station, 2025
Südwestufer des Dümmers mit Mündung der Hunte in den See. Foto: F. Apffelstedt, Naturschutzring Dümmer Ökologische Station, 2025

Hintergrund-Informationen:

Niedersächsisches Umweltministerium, Pressemitteilung vom 13. Juli 2026: www.umwelt.niedersachsen.de/…aktuelles/pressemitteilungen…okologische-dummer-sanierung-grosser-schritt-fur-die-region-252409

Akkermann, R. (1975): Untersuchungen zur Ökologie und Populationsdynamik des Bisams (Ondatra zibethicus L) an einem nordwestdeutschen Verlandungssee. In: Zeitschrift für angewandte Zoologie, 62, I-III. Dissertation (1975).

Akkermann, R. (1978): Vorschläge zur Sanierung des Dümmers aus ökologischer Sicht. Berichte der Naturhistorischen Gesellschaft Hannover, 121, 51–141, 1978.

Dahms, E. (1972): Limnogeologische Untersuchung im Dümmer-Becken im Hinblick auf seine Bedeutung als Natur- und Landschaftsschutzgebiet. 231 S., Diss. Freie Univ. Berlin (unveröff.).

Lange, O. (2013): Erinnerungen an ein Leben mit der Natur.- Diepholzer Kreisblatt vom 18.09.2013, Sonderbericht zu W. von Sanden-Guja

Naturschutzring Dümmer Ökologische Station e.V.:
www.naturschutzring-duemmer.de sowie
www.naturschutzring-duemmer.de/Naturgucker_AG11_Duemmer.pdf

Sanden-Guja, W. v. (1953): Der Große Binsensee.- Kosmos, Frank, Stuttgart, 159 S.

(sowie zahlreiche andere Titel)

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